Status Quo aus meiner Sicht (Presselinks)

MPO, Fürth, Freitag, 02.11.2018, 15:20 (vor 19 Tagen) @ rm_fussball

So ein bisserl das Kernproblem ist, dass die Stimmung von Mannschaft zu Fans immer noch nicht aus dem Quark kommt. Das hat mehrere Gründe (u.a. auch die dämliche Stimmungs/Pyro-Diskussion innerhalb der Fans, aber das soll jetzt nicht Thema sein).

Ganz allgemein auf die Fakten geschaut:
Wir haben eine sehr junge Mannschaft. Wir haben viel vom Grundgerüst der letzten Jahre und allein der letzten Saison verloren: Diallo war ein Abwehrgarant, De Blasis in der Rückrunde extrem wichtig mit seinem Spiel. Muto war ein fleissiger Arbeiter, gut anspielbar. Wie Serdar sicherlich kein absoluter Stammspieler, aber jemand, der wusste, wie was wo ist. Selbst der eher mässig spielende De Jong hatte seine Anteile.

Schwarz war und ist leider in den Augen offenbar zu vieler Fans von vorneherein verbrannt gewesen. Das konnte er auch nicht wirklich mit dem (guten) Auftritt mit den Fans in der Rückrunde regeln - er hat nach wie vor extrem wenig oder eher keinen Kredit. Das ist leider eine Belastung, weil Misserfolge bei einer jungen, stark veränderten Mannschaften eben vorkommen, und dann sich die Kritik vor allem auf den Trainer konzentriert und nicht auf etwaige Umsetzungs- oder Nachlässigkeitsfehler.

Sandro Schwarz ist sicherlich eher ein Motivator als ein brillianter Taktiker, auch wenn er dabei nicht so geschliffen formuliert wie Tuchel oder Klopp. Auch das nimmt man wahr, das Vokabular geht zu oft in die Phrasenkiste und verschärft den Gedanken, dass er überfordert oder unterqualifiziert ist. Ich denke, dass er ein solider Bundesligatrainer ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Also nochmal zusammengefasst: Die aktuelle Situation ist eigentlich "ok". Die Mannschaft verändert sich personell wie inhaltlich, es entwickelt sich was. Dinge klappen dabei auch mal nicht, andere besser, je nachdem. Das war IMO auch in den letzten Jahren (also auch unter Schmidt) jeweils immer das Problem, dass das Training zu fokussiert auf einen Aspekt war und die anderen darunter gelitten haben. Anfangs hatten wir eine heftig gute Defensive, aber vorne wars mau, nun ändert man letzteres und die Defensive wird etwas wackliger.

Was denke ich persönlich?
Das ist nicht einfach. Das Problem ist von vorneherein die fehlende Alternative. Im eigenen Haus gibt es IMO momentan keinen Trainer, der mit seiner Mannschaft (krass) überperformed. Auf dem freien Markt gibt es keinen Namen, der entweder erschwinglich wäre (Hasenhüttl, Buvac) oder den ich in irgendeiner Weise auch nur in der Nähe des Trainerpostens in Mainz sehen wollen würde (Stöger, Korkut, Gisdol, Schmidt, Hollerbach). Buvac ist wohl eher unrealistisch. Zum einen hats hier keine "alten Seilschaften" die das für ihn attraktiv machen könnten, zum anderen weiss ich nicht, wie gut Buvac wirklich als Cheftrainer wäre und was wirklich der Trennungsgrund war von Klopp.

Anders gesagt: Eine Trennung könnte ich nachvollziehen. Sogar ein Stück weit gutheißen, auch wenn weite Teile davon ein "wegen der Stimmung" sind. Nur sehe ich das Problem, dass Mainz 05 immer noch unter "Hipstertrainerentzug" leidet, sich also nach einem geschliffenen Menschenfänger oder zumindest einem klaren, ehrgeizigen Fußballwissenschaftler sehnt, der vermittelt, dass man einen mittelfristigen Plan hat, mit dem alles besser wird.

Unter Schwarz sind wir leider im Schnitt nicht besser als die Summe alle Einzelspieler. Das kann u.U. zu wenig sein, wenn die Hoffnung nur darauf besteht, dass Spieler besser performen als es ihre Transferwerte hergeben.


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