Bedenkliche Entwicklung (Alles außer Fußball)

mitok, Donnerstag, 11.10.2018, 11:42 (vor 7 Tagen) @ MPO

Was ist denn hier das Thema?
Hier werden Dinge durcheinander geworfen, die nichts miteinander zu tun haben.

Es geht hier um eine Polizeiaktion, die offensichtlich überzogen ist, wie Du selbst eingeräumt hast.
Man kann sie für nicht überzogen halten oder sich mehr Informationen wünschen, um die Sache besser beurteilen zu können.

Es geht nicht darum, Straffreiheit für Zündler oder Gewalttäter zu fordern. Zumindest sehe ich nicht, wo das der Fall sein soll.

Wenn man vom Rechtsstaat spricht, sollte man auch die Unschuldsvermutung als zentralem Bestandteil des Rechtsstaates anerkennen. Anders macht die Sache keinen Sinn. Die Behauptung, mit der Polizeiaktion wäre gegen „Zündler und Gewalttäter“ vorgegangen worden, macht aus Beschuldigten Verurteilte. Der Gedanke „Wer morgens um fünf von vermummten Polizisten aus dem Bett geholt wird, wird schon etwas ausgefressen haben“ hat überhaupt nichts mit Rechtsstaatlichkeit, aber sehr viel mit Stammtisch zu tun. Vor allem, wenn man sich wie Du eigentlich nicht wirklich informiert fühlt. Die Informationen reichen also nicht, um die Polizeiaktion zurückzuweisen, sie reichen aber, um zu fordern „Haut drauf, es wird schon die Richtigen treffen“?

Deine Aussage, Verein, DFB und DFL hätten eine „lockere Leine“ gelassen, befördert Erstaunliches zu Tage. Meinst Du allen Ernstes, wir Fans sollten an der Leine der DFL Gassi geführt werden? An einer möglichst kurzen? Und wenn die Leine nicht kurz genug ist, soll „härter durchgegriffen“ werden?

„Duldung von Straftaten macht einen zum Helfer.“ Noch so ein seltsamer Satz. Definiere mal näher: Wenn ich auf der Haupttribühne sitze (angenommen) und es wird in Q gezündelt (angenommen) - bin ich dann mehrheitlicher „Helfer“? Oder erst, wenn ich in R stehe? In Q? Wenn ich ein Ultras-Shirt anhabe? Wenn neben mir jemand einen Bengalo hochreckt?

Andersherum: Wenn ich verkleidet auf den Rosenmontagszug gehe, bin ich dann auch für die Schlägereien dort verantwortlich? Für den, der in den Hauseingang pinkelt? Würdest Du Hausdurchsuchungen bei Wildpinklern und deren Helfern befürworten? Bei Menschen, die alkoholisiert am Steuer saßen? Sollte die Polizei dann vielleicht auch drei aufgefundene Flaschen Riesling abfotografieren und als Beweisstücke präsentieren?

Könnte es nicht überhaupt sein, dass sich gewisse gesellschaftliche Probleme nicht von der Polizei lösen lassen? Oder dass sich vielleicht sogar überhaupt kein gesellschaftliches Problem durch polizeiliche Maßnahmen lösen lässt?

Wenn das so wäre, dann könnte man die Vorstellungen von Menschen, die an Leinen durch die Gegend laufen müssen und denen dennoch ein härteres Durchgreifen blüht, dort lassen, wo sie hingehören: in Sado-Maso-Magazine.


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